Großgarage Halle-Süd

Großgarage Halle-Süd

Großgarage Halle-Süd

Die „Großgarage Halle-Süd“ erbaut 1929, wird nach fast 80 Jahren 2007 saniert und bietet zukünftig 150 PKW eine Unterstellmöglichkeit. Sie ist heute die älteste erhaltene Großgarage (oder Parkhaus) in ganz Deutschland.

Bildmaterial in Bearbeitung…

Großgarage Halle-Süd

Architekt: Walter Tutenberg
Fotos: Januar 2007

Der Ursprung in den USA

Großgaragen wie in der Pfännerhöhe waren seit 1906 (Paris) eine städtebauliche Antwort auf den sprunghaft steigenden Anteil an Kraftfahrzeugen und die Notwendig-keit, dem veränderten Raumbedarf und dem zunehmenden Ungleich-gewicht verschiedener Verkehrs-teilnehmer in den urbanen Zentren gerecht zu werden. Die ersten dieser Garagen waren Aufzugsgaragen, die viele Stock-werke auf relativ geringer Grund-fläche durch ein Pigeon-Hole-System verbanden [engl.: pigeonhole = Ablegefach]. In den USA entstanden so wolkenkratzerähnliche Park-häuser.

Bau und Architektur

Nach diesem Prinzip plante und baute der Hallesche Bauunternehmer Walter Tutenberg Ende 1927 – 1929 die moderne, großstädtische Karawanserie (Hallesche Nach-richten 23.2.1929) in der Pfänner-höhe. Die „Großgarage Süd“ (so die Bezeichnung im Bauantrag) wurde auf dem ca. 2.400 m2 großen Gelände der früheren Seifenfabrik C. F. Schulze errichtet. Die ursprünglich geplanten 110 Autoboxen wurden durch Sammelboxen und andere Stellplätze auf eine Kapazität von 150 PKW – Plätzen erweitert. Drei Stockwerke und das Kellergeschoss wurden mittels eines elektrischen Aufzuges als Parkdeck konzipiert. Die Architektur des Gebäudes war für diese Zeit als sehr modern zu bezeichnen, denn Beton, Eisen und Stahl waren zweckmäßig kombiniert und mit großflächigen Glasdächern versehen. Die städtische Wasserleitung wurde durch eine Hauswasseranlage ergänzt, welche durch das Regenwasser der großen Dach-fläche gespeist wurde. Eine Zentral-heizung beheizte das gesamte Ge-bäude, so dass auch im Winter angenehme Temperaturen herrschten. Eine PKW-Werkstatt im Erdgeschoss, eine Wagenreinigung-sanstalt im Kellergeschoss, Schlafräume und Aufenthaltsräume mit Telefonanlage für die Chauffeure und Monteure, modern eingerichtete Toilettenanlagen und Waschräume, Büro- und Verkaufsbereiche für Reifen, Treibstoff und Autozubehör, ja sogar ein Frisiersalon sorgten für einen sehr umfangreichen Service nach amerikanischem Vorbild für die Benutzer dieser Großgarage.

Die wechselvolle Geschichte

Bereits im Jahr 1937 erfolgte ein Eigentümerwechsel an die Firma Curt Köhler & Co. Die Kriegsjahre überstand das Gebäude schadlos und der Betrieb wurde 1945 mit 28 Mitarbeitern wieder aufgenommen. Da die meisten Fahrzeuge jener Zeit und fast alle Taxen der Marke Fiat entstammten, wurde die Firma Köhler Fiat-Vertragspartner. 1961 wurde Curt Köhler jedoch enteignet und arbeitete fortan bis an sein Lebens-ende als Angestellter in seinem Hause. Juniorchef Felix Köhler siedelte in die BRD über, der Tankstellenbetrieb wurde von MINOL übernommen, allerdings bald eingestellt. Hatte das Gebäude den Krieg unbeschadet überstanden, nagte nun der Zahn der Zeit an ihm. Daran konnte auch eine Übernahme durch die Gebäudewirtschaft 1972 nichts ändern, das Gebäude wurde unansehnlicher.

Das vorläufige Ende

Ende der 80er Jahre wurde ein neuer Aufzug angeliefert, da das Ende des Alten abzusehen war. Aufgrund der falsch bemessenen Abmaße des neuen Aufzugs konnte dieser nicht eingebaut werden. So blieb der alte Aufzug bis 1992 in Betrieb, dann kam die Sperrung durch den TÜV. Zur gleichen Zeit wurde das im Besitz der HWG als Nachfolgerin der Gebäudewirtschaft verbliebene Bauwerk unter Denkmalschutz gestellt. Eine Sanierung ließ auf sich warten, das Gebäude verfiel weiter. Ungeklärte Eigentumsverhältnisse ließen die bitter nötige Sanierung in weite Ferne rücken. Die Großgarage an der Pfännerhöhe war über Jahrzehnte das einzige Parkhaus in Halle und ist heute das älteste erhaltene in ganz Deutschland.

Quelle: http://www.halle.de